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Rezensionen

Hardthoehen-KurierGetrennt marschieren, vereint schlagen

Von Friedrich Jeschonnek

„Getrennt marschieren, vereint schlagen“, lautete einst die Devise vergangener Millionenheere. Dabei spielte die Eisenbahn eine herausragende Rolle, um Kräfte zeitgerecht ins Einsatzgebiet zu bringen beziehungsweise diese zu konzentrieren. In seinem reich bebilderten Werk werden unter militärischen Gesichtspunkten folgende Schienenverbindungen auf der Schwäbischen Alb beleuchtet: Echazbahn, Donaubahn, Hohenzollerische Landesbahn, Albbahn, Donaubahn, Illerbahn, Zollernbahn, Filsbahn, Brenzbahn sowie auf die Strecken von Amstetten nach Laichingen und Gerstetten.

Einbezogen sind die ehemaligen und noch existierenden Garnisonen Ulm, Neu-Ulm, Dornstadt, Münsingen, Breithülen, Feldstetten, Amstetten, Engstingen, Urach, Sigmaringen und Stetten am kalten Markt. In dem Werk wird dokumentiert, welche Rolle das Militär in der Region im Laufe der vergangenen mehr als eineinhalb Jahrhunderte spielte und damit auch der Verkehrserschließung durch Bahnverbindungen beitrug.

Mit diesem gut gestalteten Bild-Text-Band gelingt es dem Autor, Geschichte und Geschichten um Militärtransporte und Kasernenanlagen auf der Schwäbischen Alb unter Berücksichtigung unterschiedlichster Epochen einschließlich der Nachkriegszeit nicht nur zu dokumentieren, sondern damit „ein Denkmal“ zu setzten.

Das Buch konnte nur entstehen, weil rund 100 Hobbyfotografen, darunter viele ehemalige Soldaten, ihre privaten Fotoalben für dieses zweifellos aufwändige Projekt geöffnet haben. Das Buch gehört nicht nur in die Hand der Freunde militärischer Eisenbahnen, sondern aller an der Region, Stationierungsgeschichte, militärischer und ziviler Infrastruktur der Schwäbischen Alb Interessierten. Es eigne sich vorzüglich als Erinnerungsgeschenk oder Bestpreis.


Wochenblatt Biberach Riedlingen Als der Panzer vom Waggon plumpste

Von Uli Landthaler

Die Truppe auf Schienen – hinter dem Thema steckt mehr, als man zunächst vermuten mag. Bundeswehr-Experte Joachim Lenk hat ein gehaltvolles Buch darüber verfasst, wie Soldaten und ihr Gerät früher zum Truppenübungsplatz nach Münsingen kamen.

Der Titel klingt sehr speziell, aber das 368 Seiten starke Buch ist eine Fundgrube für Eisenbahn-Fans, Bundeswehrler und Leute, die an der Geschichte des Südwestens interessiert sind. Der Journalist und Reservist hat mit einem enormen Aufwand zusammengetragen, wie die Truppe von 1845 bis heute auf den Gleisen der Schwäbischen Alb unterwegs war – in die Kampfgebiete der beiden Weltkriege wie auch zum Truppenübungsplatz nach Münsingen und zu einzelnen Kasernen.

Die Kreise Biberach und Sigmaringen spielen durchaus tragende Rollen. Dabei erschöpft sich Lenk nicht in militärischen Statistiken oder eisenbahntechnischen Abhandlungen, sondern liefert interessante Geschichten dazu. Soldaten erinnern sich, wie sie Panzer verladen haben und tagelang im Zug zum Truppenübungsplatz unterwegs waren.

Eine Krankenschwester berichtet, wie sie im Ersten Weltkrieg die schwer Verwundeten im Lazarett-Zug begleitet hat. Das Buch erzählt die Geschichte eines Militärpfarrers, der einen eigenen Schlafwagen erhält, und von Bahnmitarbeitern, die leichtsinnig eine scharfe Stabbrandbombe im Bahnhof verstauen. Im Mittelpunkt: Zahlreiche Fotos und Dokumente, von historischen Militäraufnahmen über Schnappschüsse vom Leben im Abteil bis zu Dokumenten wie geheime Dienstvorschriften oder dem Soldaten-Billett für die Bahnfahrt nach Münsingen.

Rund 100 Hobbyfotografen, darunter viele Soldaten, haben ihre privaten Fotoalben für das Projekt geöffnet. Das macht es auch für Nicht-Fachleute interessant.


DrehscheibeMilitär und Bahn

Von Michael Ulbricht

Ein langer Titel für ein schwergewichtiges Buch, 850 Abbildungen auf 368 Seiten! Die Eisenbahn hatte aber auch über viele Jahre eine große militärische Bedeutung, nicht nur für die in dem vorliegenden Buch beschriebenen Garnisonen in Ulm, Münsingen, Großengstingen, Sigmaringen und Stetten am Kalten Markt. Ebenso ist die Entstehung und der Fortbestand einiger Eisenbahnstrecken bis in die heutige Zeit auf militärische und strategische Überlegungen zurückzuführen.

Eine zentrale Rolle spielte dabei der ab dem Jahr 1895 eingerichtete württembergische Truppenübungsplatz in Münsingen, der bis zu seiner Schließung 2004 den Bestand der Schwäbischen Alb-Bahn sicherte. Auch die Ermstalbahn und die Echazbahn sowie die Hohenzollerische Landesbahn dienten der Anbindung.

Ein badischer Schießplatz entstand ab 1910 auf dem Heuberg bei Stetten am Kalten Markt, der über die Zollernbahn und Donaubahn nicht nur mit Baden, sondern auch den Kasernen in Sigmaringen und Ulm verbunden ist.

Außerdem bestand hier eine schmalspurige Förderbahn zwischen dem Lager und dem Bahnhof Storzingen. Mit dem Rückzug der Bundeswehr aus den meisten Standorten ab den 1990er Jahren ist heute nicht mehr viel von den Militärzügen auf der Schwäbischen Alb übrig geblieben.

Das Buch beschreibt die Entwicklung der Bahnlinien und die Militärtransporte von und zu den einzelnen Standorten und Ladestellen entlang der Strecken sowie die Geschichte der jeweiligen Standorte. Dazu zählen auch die Munitionsfabrik im Wald bei Haid, auf deren Gelände die spätere Bundeswehrkaserne Großengstingen entstand sowie die Standorte Breithülen, Feldstetten und Dornstadt.

Der Autor, freier Journalist und Fotograf, Major der Reserve und Presseoffizier, erschließt das Thema mit einem journalistischen und militärischen Hintergrund, wobei er auch die Menschen nicht aus dem Blick verliert: Soldaten, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter. Unzählige Fotos, Dokumente und Zeichnungen aus Archiven und privaten Sammlungen sowie Augenzeugenberichte und Erzählungen geben einen sehr anschaulichen Einblick in das Zusammenspiel zwischen Eisenbahn und Militär, das für Außenstehende zum größten Teil verborgen blieb.

Leider sind nicht alle Abbildungen für einen großformatigen Druck geeignet und damit etwas pixelig verwaschen, auch die Bildtexte sind oftmals etwas knapp ohne Datum und Ortsangabe. Dennoch ist eine umfassende Dokumentation entstanden, spannend geschrieben und üppig bebildert.


Schwäbische Zeitung Laichingen Als Feldstetten einen Bahnhof bekommen sollte

Von Hansjörg Steidle

Militärtransporte auf der Schiene sind immer etwas Geheimnisvolles gewesen, sie waren in keinem Fahrplan vermerkt. Die Eisenbahn hat mit dem Militär mehr gemeinsam als angenommen wird. Mit Militärtransporten mit der Eisenbahn auf der Schwäbischen Alb von 1845 bis heute hat sich Joachim Lenk aus Münsingen befasst und ein 368 Seiten umfassendes Buch geschrieben. „Mit der Lokomotive zum Schießplatz“ heißt das neue Werk von Reserveoffizier und Journalist Joachim Lenk.

Der aus Blaubeuren stammende und heute in Münsingen wohnende Lenk geht in seinem Buch von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute unter militärischen Gesichtspunkten auf folgende Schienenverbindungen ein: Echazbahn, Donaubahn, Hohenzollerische Landesbahn, Albbahn, Donaubahn, Illerbahn, Zollernbahn, Filsbahn und Brenzbahn. Mehrere Seiten in dem im Münsinger Wiedemann-Verlag erschienenen Buch widmet er auch dem früheren Laichinger Bahnhof und der Bahnstrecke von Laichingen über Amstetten nach Gerstetten. Kaum zu glauben dabei: Der Laichinger Bahnhof stand bei der Einweihung der Schmalspurbahn am 20. Oktober 1901 auf einem freien Feld im Osten der Gemeinde.

Joachim Lenk beschreibt die Garnisonen Münsingen mit Feldstetten und Breithülen, Urach, Amstetten, Engstingen, Ulm, Neu-Ulm, Dornstadt, Sigmaringen und Stetten am kalten Markt. Der bekannte TV-Moderator Hagen von Ortloff, der in fast 25 Jahren rund 900 „Eisenbahn-Romantik“-Sendungen für den SWR moderierte, hat das Vorwort zu dem Buch geschrieben.

In fünfjähriger Recherche hat Joachim Lenk viele bewegte Geschichten zusammengetragen, viele Gespräche mit ehemaligen Soldaten und Menschen geführt, die irgendwas mit den Militärzügen auf der Schwäbischen Alb zu tun hatten. Zahlreiche nette Anekdoten hat er gesammelt, die sich links und rechts der Schiene oder auf der Strecke zu getragen haben. Mehr als 100 Fotografen und Hobbyfotografen haben aus ihren Alben historisch interessante und wertvolle Fotos geholt und sie dem Buchautor zur Verfügung gestellt. So enthält das Buch 850 Fotos – ferner Postkarten und Fahrpläne.

Der Autor dokumentiert in Wort und Bild Situationen, die es heute in dieser Art und Weise gar nicht mehr gibt. So zum Beispiel der offene Transport der Sergeant-Raketen Anfang der 1960er-Jahre. Oder Soldaten, die im Gepäcknetz des Eisenbahnabteils schlafen. Er erzählt die Geschichte eines Militärpfarrers, der einen eigenen Schlafwagen erhält, von Bahnmitarbeitern, die leichtsinnig scharfe Stabbrandbomben im Bahnhof verstauen.

Joachim Lenk beschreibt ferner den Bau der einzelnen Bahnstrecken, von denen viele nur den Militärs zu verdanken sind. Und er berichtet von Angriffen während des Zweiten Weltkrieges, die die Alliierten gezielt auf strategisch wichtige Streckenabschnitte und Bahnhöfe in der Region flogen. Dann gibt es noch den Kommandeur, der Ende der 1950er-Jahre eine ausrangierte Dampflok in die Kaserne transportieren lässt. Sie sorgt einige Monate lang für Wärme in den Räumen ohne Heizung. Nicht zu vergessen sind die frechen Buben, die Wagenfett auf die Schienen schmieren, sodass der schwere Militärtransport in der Steigung ins Rutschen kommt.

In 13 größere Kapitel gliedert sich Lenks sehr gut recherchiertes Buch „Mit der Lokomotive zum Schießplatz“ , wobei die Abschnitte zur Bahnstrecke Amstetten nach Laichingen sowie zum Militär in Münsingen, Breithülen und Feldstetten für die Bürger der Laichinger Alb die interessantesten sein dürften. In dem Kapitel zur Bahnstrecke Amstetten nach Laichingen ist nachzulesen, dass Ende des 19. Jahrhunderts, ein Jahr bevor der Schießplatz Münsingen 1895 ins Leben gerufen wurde, einige Schultheiße auf der Mittleren Alb über eine Bahnstrecke diskutierten, die von Münsingen über Feldstetten und Laichingen nach Herrlingen führten sollte.

Lenk geht in seinem Buch ausführlich auf den Bau des Laichinger Bahnhofs und den Bau der Bahnstrecke nach Amstetten ein, aber auch auf die Pläne der Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen, die mit einer Schienenverbindung von Oberlenningen über Feldstetten nach Ulm liebäugelten – mit Haltepunkten in Gutenberg, Strohweiler und Böhringen. 1909 waren die Pläne für den Feldstetter Bahnhof fertig, der ein Empfangsgebäude mit Güterschuppen, eine Rampe und eine Wartehalle bekommen sollte. Neben dem Durchgangsgleis sollte auch ein Lade- und Kreuzungsgleis, ein Lockschuppen mit Drehscheibe sowie ein Kohlenbunker gebaut werden.

1914 wurden zudem Stimmen laut, auch die Strecke von Laichingen über Sontheim, Ennabeuren, Magolsheim und Böttingen in Richtung Münsingen auszubauen. Doch der wenige Monate später beginnende Erste Weltkrieg machte alle Pläne zunichte. Dann geht der Münsinger Autor auf die mit der Bahn in den Krieg fahrenden Soldaten ein, die winkend die Bahnhöfe in Laichingen, Amstetten und Geislingen verlassen, denen bald in umgekehrter Richtung die Lazarettzüge mit verwundeten Soldaten folgen werden.

Breiten Raum widmet Lenk zudem dem Oppinger Bahnhof und dem Bundeswehrdepot zwischen Amstetten und Stubersheim, dem einzigen im Land mit eigenem Gleisanschluss. Zudem stellt er die Kleindiesellok „Blauer Klaus“ vor, mit der bis Ende der 90er-Jahre Militärgüter vom Amstetter Bahnhof ins Bundeswehrdepot befördert wurden.

In einer von vielen Einzelgeschichten geht er auch auf den schweren Unfall am 14. April 1985 ein, als bei einem Manöver unterhalb Oppingens ein US-Panzer auf die Gleise rutschte und diese auf einer Länge von 50 Metern verschob, was ein schwierige Bergung zur Folge hatte.


Geislinger ZeitungWinkend in den Krieg gefahren

Von Ralf Heisele

Militärtransporte mit der Bahn stehen in keinem Kursbuch und haben etwas Geheimnisvolles. Jetzt ist das Buch „Mit der Lokomotive zum Schießplatz“ erschienen, das sich auch mit der Region befasst. Der  Reserveoffizier und Journalist Joachim Lenk ist bei aktiven und ehemaligen Bundeswehrangehörigen kein Unbekannter. Schon vier Bücher über das Militär auf der Schwäbischen Alb hat er verfasst – jetzt ist ein neues Buch hinzugekommen: „Mit der Lokomotive zum Schießplatz“.

In fünfjähriger Recherche hat Lenk viele bewegte Geschichten zusammengetragen und dabei links und rechts der Schiene jede Menge Anekdoten entdeckt. „Mir ist es einfach wichtig, Situationen zu dokumentieren, die es heute in dieser Art und Weise nicht mehr gibt“, schreibt Lenk in seinem Vorwort. Dabei durfte er auf die Hilfe vieler ehemaliger Soldaten setzen, die ihn mit Tipps und Informationen versorgten – und auf mehr als 100 Hobbyfotografen, die ihre privaten Fotoalben für dieses aufwendige Projekt geöffnet haben. Lenk erhielt Bilder, die verschollen waren, Raritäten aus Privatalben, oft heimlich geschossen, Postkarten und Luftaufnahmen.

Herausgekommen ist ein 368-seitiges Lesebuch, das mit seinen mehr als 850 Fotos, Abbildungen, Postkarten, Fahrplänen und Billetts gleichsam ein Bildband ist. Hierfür gibt es sogar vom Eisenbahnexperten und TV-Moderator Hagen von Ortloff („Eisenbahn-Romantik“) ein Lob, der das Vorwort geschrieben hat: Das Buch ermögliche dem Leser einen Einblick, der im normalen Leben nicht möglich sei.

So dokumentiert Joachim Lenk zum Beispiel den offenen Transport der Sergeant-Raketen Anfang der 1960er-Jahre. Oder Soldaten, die im Gepäcknetz des Eisenbahnabteils schlafen. Er erzählt die Geschichte eines Oberst, der Mitte der 1950er-Jahre eine ausrangierte Dampflok in die Kaserne transportieren lässt. Sie sorgt einige Monate lang für Wärme in den Räumen ohne Heizung. Nicht zu vergessen sind die frechen Buben, die Wagenfett auf die Schienen schmieren, sodass der schwere Militärtransport in der Steigung ins Rutschen kommt.

In seinem Nachschlagewerk geht Lenk auf verschiedene Bahnverbindungen ein, die teils nur durch das Militär entstanden sind. Ein Kapitel handelt über die Strecken von Amstetten nach Laichingen und von Amstetten nach Gerstetten. Außerdem geht es auch um die Strecke zwischen Ulm und Geislingen.

Letztere Linie wird für das Militär zu Beginn des Ersten Weltkriegs wichtig. Tausende von Zügen fahren die Soldaten ab August 1914 an die Front – anfangs spielen sich noch „volksfestartige Szenen“ bei ihrer Verabschiedung ab. Lenk hat schon vor Jahren von einem Sammler ein altes Foto erhalten, das winkende Soldaten am Geislinger Bahnhof zeigt, die frohen Mutes in Richtung Paris fahren.

Doch schon bald kommen die Züge wieder zurück – mit Verwundeten. Mehrmals im Monat fährt ein Lazarettzug von Stuttgart aus ins Kriegsgebiet. Die Sanitäter sammeln die Verwundeten in zuvor festgelegten Bahnhöfen ein, versorgen sie in den Waggons und fahren sie zurück in die Krankenhäuser nach Württemberg. Auch in Geislingen halten die Züge, dort gab es damals sogar eine Sanitätsstation. Den Stopp vor dem Albaufstieg nutzen die Militärs, um schwer verletzte Soldaten mit Pferdekarren oder einer fahrbaren Krankentrage ins städtische Bezirkskrankenhaus oder nach Bad Ditzenbach ins Reservelazarett zu bringen.

Auch auf das Betriebsstofflager im Wald zwischen Amstetten und Stubersheim geht Lenk ausführlich ein. Es ist das einzige Bundeswehrdepot im Land mit eigenem Gleisanschluss. Es hat eine 300 Meter lange Verladerampe, einen Lokschuppen, einen Lagerbahnhof und eine moderne Abfüllanlage. In dieser wird das per Zug angefahrene Benzin, Petroleum und Diesel in Kanister abgefüllt. Nach dem Ausstieg der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft übernehmen die Ulmer Eisenbahnfreunde ab 1997 die Transporte. Mit der Kleindiesellok „Blauer Klaus“ aus dem Jahr 1952 holen die Vereinsmitglieder die Eisenbahnkesselwagen am Amstetter Bahnhof ab und ziehen sie dann ins 3,4 Kilometer entfernte Depot.

Nachdem die Bundeswehr Ende der 90er-Jahre immer mehr Depots schließt, werden deren Militärgüter wie Lastkraftwagen in den Wald bei Amstetten gefahren. Bis 2007. Dann war auch im dortigen Bundeswehrdepot Zapfenstreich.


Stuttgarter Zeitung Soldaten im Zug

Von Michael Petersen

Joachim Lenk ist Journalist und Major der Reserve. Gerne verbindet er beide Passionen, sei es in Uniform als Pressebegleiter wie 2006 von US-Präsident George Bush bei dessen Deutschland-Besuch, oder eben beim Thema seines jüngsten Buches „Mit der Lokomotive zum Schießplatz“.

In dem im Wiedemann-Verlag erschienenen Buch geht es darum, wie das Militär von 1835 bis heute den Schienenweg nutzte. Der Moderator der SWR-Sendung  „Eisenbahn-Romantik“, Hagen von Ortloff, ist sicher, dass es so ein Werk noch nie gab, erst recht nicht für die Schwäbische Alb.

Über den Truppenübungsplatz Münsingen und Kasernen in dessen Umgebung hat Lenk vier Bücher geschrieben. Jetzt hat er dieses Thema miteinander verbunden, durch die Züge. „Schon kaufen nicht nur Soldaten meine Bücher, sondern auch Eisenbahnfreaks“, sagt er lächelnd. Denen verspricht er nie gesehenes Fotomaterial.

Die Motive der 850 Fotos reichen von Dampf- und Dieselloks, die lange Züge mit Panzern und Raketen über die Alb ziehen, bis zu Soldaten, die in Gepäcknetzen schlafen. Fotografieren war Soldaten untersagt, doch die hielten sich mitunter nicht an die Vorschrift.

Andere Hobbyfotografen legten sich entlang der Bahngleise auf die Lauer nach diesen Zügen, die in keinem Kursbuch zu finden waren – und wurden häufig von den Feldjägern vertrieben

Joachim Lenks genaue Beschreibungen, zum Beispiel vom Verladen einer Panzerhaubitze von einem Waggon, hat sich der Autor von der Bundeswehr absegnen lassen. „Wegen der inhaltlichen Korrektheit wie auch möglichen Verstößen gegen die Geheimhaltung“, sagt er.


Schwäbische Zeitung Sigmaringen Panzerzüge rollen über die Schwäbsiche Alb

Von Christoph Wartenberg

Ein sehr spezielles Thema hat der Journalist und Militärhistoriker Joachim Lenk für sein neues Buch gewählt: „Mit der Lokomotive zum Schießplatz – Militärtransporte mit der Eisenbahn auf der Schwäbischen Alb von 1845 bis heute“ heißt der schwere Band aus dem Münsinger Wiedemann Verlag. So abgelegen das Thema zunächst erscheint, es bietet viel an regionaler Militärgeschichte und üppiges Material für Eisenbahn- und Technikfans.

Reizvoll ist in der Tat die großzügige Bebilderung, die vom schweren Panzerzug bis hin zum süßen altertümlichen Züglein „Eiserne Lady“ im Jahr 1905, von der Luftaufnahme bis zum technischen Detailfoto reicht. Der Band zeigt eine Vielfalt an interessanten Motiven aus 170 Jahren Eisenbahngeschichte auf der Alb, zwischen Ulm und Stetten am kalten Markt, zwischen Sigmaringen und Großengstingen.

Freunde und ehemalige Mitglieder der Bundeswehr mögen dabei angesichts dessen, was alles von diesem Treiben übrig geblieben ist, melancholisch werden. „Mir ist es einfach wichtig, Situationen zu dokumentieren, die es heute in dieser Art und Weise nicht mehr gibt“, schreibt der Autor in seinem Vorwort. Auch dass etliche dieser Aufnahmen eigentlich verboten waren, verschweigt der Autor nicht.

Mit der Einführung der Eisenbahn sind erstmals sehr viel größere und schwerere Truppenbewegungen möglich, das äußerte schon 1834 der Reutlinger Nationalökonom Friedrich List. Das Buch dokumentiert diese Entwicklung gewissermaßen vor Lists Haustür. Gerade der zentrale Ort Münsingen ist immer wieder auch Ziel ranghoher Besucher. So kommt 1944 der italienische Duce Benito Mussolini und schon 1942 war auch der später von den Nazis ermordete Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben in Münsingen.

Immer wieder passieren auch Unfälle mit dem schweren Gerät, Waggons oder Lokomotiven springen aus den Schienen. Aber meistens sind die imponierenden Transporte Gegenstand der Neugier der Bevölkerung. Schwere schwarze Qualmwolken quillen aus den schwarzen Schornsteinen der Dampfloks, bevor die schlichteren Diesellokomotiven in den Vordergrund rücken.

Insgesamt ist Lenks Buch nicht nur eine kenntnisreiche Darstellung des Verkehrsmittels Eisenbahn im Dienste des Militärs, sondern auch eine Art Militärgeschichte auf der Schwäbischen Alb bis zur Aufgabe der vielen Garnisonen.


SuedkurierBahnstrecken der Alb aus Soldatensicht

Von Gregor Moser

Unter dem Titel “Mit der Lokomotive zum Schießplatz” hat der Reserveoffizier Joachim Lenk ein Buch geschrieben, worin er sich unter militärischen Gesichtspunkten mit den Strecken der Echaz-, Alb-, Donau-, Iller-, Zollern-, Fils- und Brenzbahn sowie der Hohenzollerischen Landesbahn befasst. Zudem geht es um die Strecken von Amstetten nach Laichingen. Dabei befasst er sich mit der Zeit ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis Gegenwart.

Ein Kapitel behandelt die Strecke Eyach - Sigmaringendorf, auf der früher Motoren und Lenkungsteile für den Raketenwerfer Lance offen  transportiert wurden. Natürlich beschreibt der Autor auch den Verladebahnhof Hanfertal, der von 1966 bis 2007 für die Bundeswehr geöffnet war. Zuvor wurden, mit einigen Fotos dokumentiert, die schweren Panzer im Bahnhof Sigmaringen verladen. Heute kaum mehr vorstellbar.

Lenk beschreibt genau den Bau der Förderbahn von Kaiseringen Richtung Truppenübungsplatz Heuberg Anfang des 20. Jahrhunderts. Außerdem hat der Hobbyhistoriker herausgefunden, dass einst nicht nur in Storzingen, sondern auch in Thiergarten und in Hausen im Tal Militärfahrzeuge und Flüchtlinge angekommen sind. Und es sind neue Unterlagen zum Besuch von Benito Mussolini aufgetaucht, der am 17. Juli 1944 mit der Bahn ins Donautal angereist kam, um seine Soldaten zu besuchen.

Ganz aktuell sind im Buch Fotos von den ausrangierten Waggons zu sehen, die auf dem Truppenübungsplatz Heuberg zu Übungszwecke stehen. Außerdem zeigt er die feuerwehrtechnische Übungsanlage mit mehreren Eisenbahnwaggons, die seit Kurzem in der Alb-Kaserne zu sehen sind.    

Zum Zustandekommen des Buches schreibt der Autor: “Dieses Buch konnte nur deshalb geschrieben werden, weil mehr als 100 Hobbyfotografen, darunter viele Soldaten, ihre privaten Fotoalben für dieses aufwendige Projekt geöffnet haben.”


Südwest Presse Landkreis Reutlingen Raritäten der Eisenbahngeschichte

Von Ulrike Bührer-Zöfel

Salonwagenaffäre eines Münsinger Dekans, böse Mehrstetter Buben, die  mit Wagenfett hantieren, eine Dampflok, die eine Kaserne heizt:  Unterhaltsam war die Buchpräsentation am Freitag im Lokschuppen. Und gekommen waren am Freitagabend über 230 Gäste, darunter viele  Politiker und viele der "100 Foto- und Postkartensammler", die Joachim  Lenk bei seinem Buch "Mit der Lokomotive zum Schießplatz" unterstützt  haben.

Fünf Jahre lang hat Lenk alles  über die Bahnen der Region - von denen im Echaz- und Ermstal, über die  im Filz- und Illertal bis hin zur Hohenzollerischen Landesbahn -  gesammelt, mit dem Buch eine profunde Historiensammlung bis hin zu  aktuellen Entwicklungen vorgelegt. Und natürlich "selbst viel über die  Eisenbahn gelernt".

Dabei hat er eine Menge links und rechts der Schienen entdeckt. Über  zahllose Kontakte kam Vergessenes wieder ans Licht, wurde zutage  gefördert, was in privaten Fotoalben schlummerte. Auch Verbotenes, so  Lenk. Denn militärische Objekte zu fotografieren war streng untersagt.  Was Soldaten aller Zeiten und jeden Ranges nicht daran gehindert hat,  "sich auf die Lauer zu legen", um Erinnerungsfotos zu schießen - auch  schon mal Züge, mit denen Raketen transportiert wurden.

Zuvor hatte Bernd-Matthias Weckler, Chef der Schwäbischen Alb-Bahn  launig die Gäste begrüߟt, darunter auch "Mr. Eisenbahn-Romantik" Hagen  von Ortloff. Von dem bekannten Fernsehmoderator und Freund des Autos gab es großes Lob für das Buch, "das so geschrieben ist, dass es auch ein  normaler Mensch lesen kann". Er bezeichnete das Buch auch als "das  Lebenswerk" Lenks, in dem eine Menge Heimatgeschichte stecke. Geld, so  von Ortloff, könne man damit kaum verdienen, doch über so eine  umfassende Recherche lerne man "Heimat, Menschen und Archive kennen".


Reutlinger GeneralanzeigerMit der Lokomotive zum Schießplatz

Von Marion Schrade

Bernd Weckler, Geschäftsführer der Schwäbischen Alb-Bahn, hat ihn als einen kennengelernt, „der nie lockerlässt“: Joachim Lenk, freier Journalist und Autor, ist schon von Berufs wegen neugierig, hartnäckig, beharrlich. Eigenschaften, dank derer er es geschafft hat, ein echtes „Mammutprojekt“ zu schultern. Fünf Jahre lang hat er für sein neues Buch „Mit der Lokomotive zum Schießplatz“ recherchiert, in Archiven gestöbert und mit Zeitzeugen – Soldaten und Eisenbahnern – gesprochen.

Entstanden ist ein Lesebuch und Bildband zugleich, der die Geschichte der militärisch genutzten Schienenverbindungen in der Region von 1845 bis heute nachzeichnet – von der Alb- über die Echaz-, über die Ermstal- bis hin zur Donaubahn und anderen. Hagen von Ortloff, Moderator der Serie „Eisenbahn-Romantik“ und Startgast bei der Buchpräsentation im Münsinger Lokschuppen, spricht von Lenks „Lebenswerk“.

In der Tat ist der über 360 Seiten starke, im Münsinger Wiedemann-Verlag erschienene Band so etwas wie die Summe dessen, was Lenk als Autor in den vergangenen Jahren vorgelegt hat: Über vier Garnisonen auf der Alb hat Lenk in seinen Büchern geschrieben. Sie alle miteinander verband und verbindet die Eisenbahn.Strecken wie die der heutigen Schwäbischen Alb-Bahn, betont deren Chef Bernd Weckler, hätten ohne die militärische Nutzung nicht bis in die heutige Zeit überlebt und wären längst stillgelegt worden.

Die akribisch und verständlich aufbereiteten Fakten illustriert Lenk mit zahlreichen Fotos, von denen so manches nie hätte in einem Buch erscheinen dürfen: Über 100 Hobbyfotografen haben ihr Material zur Verfügung gestellt. Darunter Soldaten, denen, wie Lenk erläutert, das Fotografieren im Dienst natürlich offiziell untersagt war. Und Bahnfreaks, die stundenlang an der Schiene lauerten, bis ein Militärtransport vorbeifuhr – zu Zeiten, als auf der Haid bei Engstingen noch Atomsprengköpfe und Raketen lagerten, ein heißes Thema. Aber auch außerhalb von Zeiten des (Kalten) Kriegs hatten Militärtransporte mit der Bahn immer etwas Geheimnisvolles: „Diese Züge sind bis heute in keinem Kursbuch vermerkt“, erläutert Lenk, der während der Arbeit an seinem Buch selbst so Einiges gelernt hat.

Mit der Bundeswehr kannte sich der Reserveoffizier im Dienstgrad eines Majors natürlich aus – mit der Bahn weniger. Auf diesem Gebiet leisteten drei Männer als Berater und Lektoren wertvolle Hilfe: Alb-Bahn-Chef Bernd Weckler, Botho Walldorf als Kenner der Hohenzollerischen Landesbahn und Dieter Reichhold, langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart.

Brennholz, Pferde, Panzer und Waffen: Was das Militär brauchte, wurde viele Jahrzehnte lang auf der Schiene transportiert. Als Verkehrsmittel war die Eisenbahn für Generationen von Soldaten unverzichtbar. Einige, die in Lenks Buch auftauchen, erinnern sich, wie sie Panzer verladen haben und teilweise tagelang im Zug Richtung Truppenübungsplatz unterwegs waren. Eine junge Krankenschwester erzählt, wie sie im Ersten Weltkrieg Verwundete in den Zügen begleitet hat.

Lenk gibt Einblick in den Alltag beim Militär und hat im Zuge seiner Recherchen so manche Anekdote ausgegraben und vorm Vergessen bewahrt. Die von  jenem Oberst etwa, der Mitte der 1950er-Jahre eine ausrangierte Dampflok in die Kaserne transportieren ließ: Sie sorgte für Wärme in den Räumen ohne Heizung.

Oder die von den Mehrstetter Buben, die sich einen Spaß daraus machten, die Schienen an einer Steigung mit Wagenfett zu beschmieren – was die schweren Militärtransporte ins Rutschen oder zum Stehen brachten. Alb-Bahn-Chef Bernd Weckler ist von der Vielfalt des Materials beeindruckt: Das Buch sei eine Sammlung „vieler kleiner Sensationen“ in Text und Bild.


Südwest Presse Alb-Donau-Kreis und Landkreis Neu-Ulm Viel bewegte Militärgeschichte

Von Matthias Stelzer

Was haben militärhistorisch Interessierte mit Eisenbahnfreunden  gemeinsam? Sie könnten dieses Jahr das neue Buch "Mit der Lokomotive zum Schießplatz" unter dem Weihnachtsbaum finden. Joachim Lenk, Bundeswehr-Reserveoffizier und Mitarbeiter der SÜDWEST  PRESSE, hat jetzt satte eineinhalb Kilo Buch zur Militärgeschichte auf  der Alb und darum herum vorgelegt.

Bewegte Geschichten erzählt Lenk. Denn es geht um Militärtransporte  auf und an den Schienen der Region. Beginnend vom 19. Jahrhundert  zeichnet er auf, wie sich die Bewegung von Soldaten und Kriegsgerät  entwickelt hat und welche Auswirkungen sie auf den Ausbau des  Schienennetzes in Bayern und Württemberg hatte.

Informationen zu allen Bahnstrecken rund um Ulm und zu allen  ehemaligen und bestehenden Garnisonen in Ulm, Neu-Ulm, Dornstadt,  Amstetten, Feldstetten und Münsingen hat Lenk in seiner Fleißarbeit  zusammengetragen. Für Freunde der Bundeswehr und -bahn sowie für  Weltkriegs-Interessierte und Heimathistoriker ein nützliches  Nachschlagewerk mit 368 Seiten. Und für alle, die sich noch erinnern,  wie die Panzer von Dornstadt zum Ulmer Bahnhof rasselten oder an der  Weißenhorner Bahnhofsrampe verladen wurden, zumindest eine bildreiche  Erinnerung.

Joachim Lenk hat, unterstützt von vielen Hobbyfotografen - oder  vielleicht besser Kameraden -, jede Menge bislang unzugängliches  Material gehoben. Zutage kamen auch überraschende Geschichten und  Anekdoten, die der Autor leider etwas zwischen seinen Lokomotiven und  Panzern im Fließtext versteckt.

Dabei hätten die leichteren Zeilen in der militärbegeisterten  Bestandsaufnahme einen stärkeren Auftritt verdient. Schließlich ist in  ihnen zu erfahren, warum ein hiesiger Militärpfarrer zwischen Hamburg  und Ulm alleine in einem ganzen Sonder-Schlafwagen unterwegs war. Oder  wie 1994 eine scharfe Weltkriegsbombe in den Schelklinger Bahnhof  gelangte. Doch sei's drum: Wer Winterbiwaks, Gewaltmärsche und  Schläfchen im Gepäcknetz des Truppenwaggons überstanden hat, wird sich  vom opulenten Werk nicht schrecken lassen und einen Marsch in den  Buchhandel antreten.


Schwäbsiche Zeitung EhingenMilitärzüge beleben die Mittlere Alb

Von Kurt Efinger

"Er hat es geschafft, ein trockenes Thema mit viel Kenntnis und  Begeisterung zu präsentieren”, würdigt Hagen von Ortloff, der bekannte  Moderator der Fernsehserie Eisenbahn-Rromantik, die Leistung des  Journalisten Joachim Lenk. Dieser hat am Freitagabend im Münsinger  Lokschuppen sein im Wiedemann-Verlag erschienenes neues Buch  "€žMit der Lokomotive zum Schießplatz” vorgestellt.

Hagen von Ortloff kennt den Autor seit Jahrzehnten und hat ihm gerne ein Vorwort  für die umfangreiche Geschichte der einstigen Militärtransporte per  Eisenbahn geschrieben. Sie beginnt im oberen Schmiechtal, im Schandental und im Heutal mit der 1901 eröffneten Strecke Münsingen-Schelklingen.  Auf ihr transportierten nach dem zweiten Weltkrieg zuerst die französische Armee und später auch die Deutsche Bundeswehr Fahrzeuge und Material auf die Mittlere Alb.

Wer den Militärreisenbahnbetrieb auf dem Münsinger Bahnhof und später auf  dem Verladebahnhof im oberen Heutal noch aus eigener Anschauung kennt,  weiß, dass sich dabei weniger Eisenbahnromantik einstellte als  beispielsweise bei der Fahrt mit dem Schienenbus quer über die Alb oder  gar mit dem einstigen dampfbetriebene Skizug, der am Wochenende zwischen Reutlingen und Münsingen verkehrte. Und trotzdem faszinierte immer wieder die Kraft, mit der  einst Güterzuglokomotiven der Baureihe 50 und später die  Diesellokomotiven der Baureihe 215 schwere Lasten durch die Albtäler  beförderten.

Der vor etlichen Jahren für die  Bedürfnisse der heutigen Schwäbischen Albbahn errichtete Lokschuppen  beim Münsinger Bahnhof war daher der geeignete Ort, ein Buch  vorzustellen, das nach Hagen von Ortloffs Worten mit seiner umfangreichen Illustration durch mehr  als 850 Fotos, Fahrpläne und anderen Abbildungen Respekt verdient. Auch  de Leser der "Schwäbischen Zeitung” haben zum Gelingen des Buches  beigetragen. Nachdem ein Artikel über das Buchprojekt veröffentlicht  wurde, stellten einige Fotos aus ihren privaten Archiven zur Verfügung.

Bernd-Matthias Weckler, der Vorsitzende des Vereins Schwäbische Alb-Bahn, und Wolfgang Wiedemann, der Geschäftsführer des gleichnamigen Verlags, hatten eingeladen. Der bekannteste Gast war  zweifellos Hagen von Ortloff, aber auch regionale Politiker, so aus dem  Raum Ehingen der Landtagsabgeordnete Karl Traub, waren der Einladung  ebenso gefolgt wie rund 200 andere mit der Geschichte der Eisenbahn  verbundene Leute aus Nah und Fern. "Fünf Jahre an so einer Bibel zu  arbeiten, ist großartig”, drückte von Ortloff seine Bewunderung für  Lenks Arbeit aus und bereicherte den Abend mit Anekdoten aus eigenen  Bundeswehrerfahrungen.

"Er hat es so geschrieben,  dass es auch ein normaler Mensch lesen kann”, lobte der  Eisenbahnromantiker den Stil des Autors. Ein alphabetisches Sachregister sucht man am Ende zwar vergebens, doch hat man sich einmal eingelesen,  kommt man nicht leicht von der Geschichte los.


Südwest Presse Landkreis Reutlingen  und EhingenImmer an den Schienen entlang

Von Gudrun Grossmann

Es ist gründlich recherchiert, bildreich und inhaltsschwer. Das neue  Buch von Joachim Lenk trägt den Titel "Mit der Lokomotive zum  Schießplatz". Hinter dem Kurzstreckentitel steckt ein Langzeitprojekt.  Joachim Lenk arbeitet als freier Journalist und Fotograf. Innerhalb der  Bundeswehr wird der Major der Reserve bei Wehrübungen mit Presseaufgaben betreut. Ob zivil oder in Uniform - im Südwesten gilt er als Experte für Militärgeschichte. Vier Bücher tragen seine Handschrift.

Im aktuellen Werk geht es um Schienen. Die Eisenbahn galt als  Schrittmacher der Industriealisierung, Militärstrategen sahen darin ein  wichtiges witterungsunabhängiges Transportmittel. Einzig die Hänge der  Schwäbischen Alb passten hierzulande nicht ins Konzept.

Trotz des ernsten Hintergrunds ist es amüsant, wenn Lenk einen  akribischen Blick in die Amtsstuben gewährt, wo etwa überlegt wird, wie  die 18 Kilometer lange Strecke von Urach zum Truppenübungsplatz  bahntechnisch überwunden werden könnte. Wer die Geschichten entlang der  Schienen liest, hört die Begeisterung von Lenk heraus. Das  Eisenbahnfieber hat ihn gepackt.

Deshalb weitet er seine Reise von den Anfängen 1845 bis in die  Gegenwart aus und verlässt den Raum Reutlingen-Ulm in Richtung  Sigmaringen und Hechingen (Hohenzollerische Landesbahn und Zollernbahn), Tuttlingen (Donaubahn), Neu-Ulm (Illerbahn), Göppingen (Filsbahn),  Aalen (Brenzbahn). Er fährt von Amstetten über Laichingen nach  Gerstetten und legt längere Aufenthalte in Engstingen, in Münsingen  und in Dornstadt ein. Das Netz wuchs.

Schwer vorstellbar, dass er sich vor fünf Jahren bewusst war, welche  Arbeit auf ihn wartet. Allein das Fotomaterial ist einzigartig. Ein Lob  gibt es von Eisenbahnexperte und TV-Moderator Hagen von Ortloff  ("Eisenbahn-Romantik"), der das Vorwort geschrieben hat. 850 Fotos  brachte Lenk aus den Archiven und dem Fundus von mehr als 100  Hobbyfotografen ans Licht. Bilder, die verschollen waren, Raritäten aus  Privatalben, heimlich geschossen, Postkarten, Luftaufnahmen - sie  zeigen den Alltag der Soldaten, militärische Anlagen wie etwa das Alte  Lager in Münsingen und viele Kasernen, den Wahnsinn des Krieges, den  Massenmord im "Dritten Reich".

Kapitel Grafeneck: "Die 300 Frauen und  157 Männer sitzen in den zehn verdunkelten D-Zug-Wagen. Die meisten von  ihnen steigen in graue Autobusse um, die sie ins 2,5 Kilometer entfernte Schloss bringen." Sofort nach dem Eintreffen werden die Menschen mit  Kohlenmonoxid getötet. Es dauert sieben Stunden, bis der Zug im  abgesperrten Bahnhof Marbach leer ist. Aus "Kapazitäsgründen" kommen  138 Frauen zunächst nach Zwiefalten. Ein kurzer Aufschub nur - 10 654  Menschen sterben in den Gaskammern.

Nach dem Krieg rollen schwere Kettenfahrzeuge über die Straßen. Wo es geht, sorgen Züge für Entlastung. Unter strenger Geheimhaltung werden  1963 erste Pläne fällt eine "Ladestelle Oberheutal" gefertigt. Es dauert  fast zehn Jahre, bis sich die Münsinger und Auinger nicht mehr inmitten  der Truppenbewegungen von deutschen, französischen, britischen,  kanadischen und amerikanischen Streitkräften befinden und schweres Gerät nur noch im Oberheutal verladen wird. Die endlosen Panzerreihen, die  per Lok durchs idyllische Schandental gezogen werden, gefallen nicht  allen.

Im April 1988 sägen vermutlich militante Rüstungsgegner ein 30 Meter  langes Schienenstück heraus. Ein Arbeitszug kann gerade noch rechtzeitig bremsen. Glimpflich geht auch eine "Fundsache" aus. 1994 findet ein  Bahntechniker in Schmiechen eine Stabbrandbombe, meint, sie sei im  Schelklinger Bahnhof besser aufgehoben. Der dortige Vorsteher geht auf  Nummer sicher und schließt das Teil im Schrank ein. Er verständigt er den Kampfmittelbeseitigungsdienst. Die Experten trauen  ihren Augen nicht. Ein Wunder, dass das Gebäude noch steht.

Auf der Alb pendeln heute Schülerzüge. Im neu erbauten Münsinger  Lokschuppen spielt die Württembergische Philharmonie. Fans der Eisenbahn  schätzen die Sonderfahren, bei denen die historische Lok unter Dampf  steht, das Christkindle zusteigt und Bernd-Matthias Weckler, Chef der  Schwäbischen Albbahn und Co-Lektor des Buches, die Gäste unterhält. Die  Geschichte der Militärtransporte findet in der Gegenwart ein friedliches Ende.

Joachim Lenk erreicht mit seinem Buch Soldaten und ihre Familien,  weil sie sich in vielen Kapiteln wiederfinden. Er begeistert sicherlich  Eisenbahnfans, die Nostalgie mögen und auf den technischen Fortschritt  fixiert sind. Aber es werden auch jene Leser zu diesem Buch greifen, die keinen Bezug zum Militär haben und eine Tenderlokomotive T3 mit keiner  "Eisernen Lady" in Verbindung bringen. Einfach deshalb, weil es eine  Menge über Mobilität und Gesellschaft erzählt, es bei aller Akribie  manchmal nur auf den Blick ankommt, der Bände spricht.

Was viele nicht wissen: Die Militärs karrten die Pferde fürs  Remontedepot in Breithülen über den Bahnhof Hütten an. Das zweite Gleis, das inzwischen nicht mehr existiert, ließ die Wehrmacht in den  1930er-Jahren aus strategischen Gründen errichten. Bis in die  1980er-Jahre hat die Bundeswehr zeitweise Panzer dort verladen, die dann weiter Richtung Truppenübungsplatz Münsingen brettern. So wie einst im  Bahnhof Schelklingen. Auch in Ehingen kommen Militärzüge an. Nicht nur  im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Die deutsche Armee nutzt die  Verlademöglichkeit im Bahnhof bis Ende der 1980er-Jahre.

Im Buch sind alle Einzelheiten über den Bombenangriff auf einen  Militärzug in Schmiechen nachzulesen, der sich Ende des Zweiten  Weltkrieges zugetragen hat. Ebenso ist der schwere Verkehrsunfall mit  einem französischen Militärtransport im Jahr 1953 dokumentiert, bei dem  zwei tote Soldaten zu beklagen sind. 16 Jahre später stößt ein  Militärzug in Talsteußlingen mit einem Traktor auf dem unbeschrankten  Bahnübergang zusammen. Vater und Tochter überleben wie durch ein Wunder. Seit diesem Vorfall müssen an dieser Stelle die Züge kurz anhalten und  Ausschau halten, ob sich ein Fahrzeug dem Übergang nähert.

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